Frankenweinprobe
- Petra I VinoLoggia

- 3. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. März
Am Wochenende stand „harte Arbeit“ in den Sommeracher Weinbergen an: Frankenweine probieren, vergleichen und nochmal probieren. Wir haben mit Christian Essner, einem Gästetführer aus der Region, eine Tour durch die Weinberge gemacht. Wir haben aber auch bei Winzern gehalten und Weine probiert. Dabei konnten wir leckere Weine kennenlernen und einiges dabei lernen. Welcher Wein es geworden ist und was wir bei unserem Besuch gelernt haben. Das stellen wir euch hier vor.
Unsere Reise ging zu den Weinbergen von Sommerach
Sommerach liegt eingebettet in eine der schönsten Weinlagen Frankens. Die Gemeinde am Maindreieck ist bekannt für ihre charaktervollen Weine, geprägt von einem besonderen Terroir: Muschelkalk, Keuperboden und ein Kontinentalklima, das den Weinen ihre typische Würze und Mineralität verleiht.
Mitten in diesen Weinbergen, mit Blick über das Maintal, haben wir Frankenweine probiert, die man nirgendwo sonst so erleben kann – nicht im Restaurant, nicht im Weinladen. Nur hier, an diesem Ort, macht der Wein wirklich Sinn.

Danach ging unsere Reise weiter zu dem Weingut Schäffer in Escherndorf bei Volkach
Vom Winzer selbst in Sommerach abgeholt, ging es nach Escherndort weiter zu Weinprobe auf das Weingut.
Weingut Schäffer in Volkach-Escherndorf: Wo Weingeschichte lebendig wird
Vom Winzer persönlich in Sommerach abgeholt, ging es weiter nach Volkach-Escherndorf – zu einer Weinprobe.
Das Weingut Schäffer ist kein gewöhnliches Weingut. Es ist eines der ältesten Familienbetriebe Mainfrankens: Die Familie Schäffer ist bereits seit 1524 urkundlich in Escherndorf nachgewiesen – und man spürt diese Verwurzelung in jedem Schluck. Heute führen Sophie und Peter Schäffer den Betrieb in vierter Generation, seit der Übergabe von Vater Egon im Jahr 2022.
Was den Betrieb so besonders macht, ist eine kompromisslose Philosophie: Im Weinberg wird konsequent auf naturnahen Anbau gesetzt – keine Herbizide, keine Insektizide, kein Mineraldünger. Im Keller bleibt alles handgemacht: spontane Vergärung, langes Hefelager auf der Hefe, keine Reinzuchthefen. Das Ergebnis sind charakterstarke, lagerfähige Weine mit echtem Tiefgang – keine gefälligen Konsumweine, sondern Weine, die etwas zu sagen haben.
Die Vorzeigelage des Weinguts ist der berühmte Escherndorfer Lump – eine der renommiertesten Weinlagen Frankens. Peter Schäffers Lieblingsrebsorte ist der Silvaner, denn keine andere Sorte gebe den Muschelkalkböden der Heimat eine bessere Bühne. Das Sortiment reicht von Silvaner, Riesling und Weißburgunder über Sekt und Pet Nat bis hin zu edlen Bränden aus eigenen Streuobstwiesen.
Besonders fasziniert hat uns der Riesling 2020. Eine feine Mineralität, die direkt aus dem Muschelkalk zu kommen scheint, verbindet sich mit einer Frische, die den Wein lebendig hält. Was ihn aber wirklich auszeichnet, ist das perfekte Gleichgewicht zwischen Säure und Frucht – keines übertönt das andere, beide spielen zusammen. Ein Wein, der im Keller seinen richtigen Ort hat – und der zeigt, dass Franken Riesling genauso überzeugend kann wie jede andere deutsche Weinregion.
Unsere wichtigsten Learnings
1. Terroir ist kein Marketing – es ist Realität
Der Boden, auf dem ein Wein wächst, schmeckt man. Fränkischer Muschelkalk gibt den Weinen eine unverwechselbare Mineralität und Frische, die sich kein Winzer „herbeizaubern" kann. Wein beginnt nicht im Keller – er beginnt im Boden.
2. Das Klima Frankens ist ein Glücksfall
Das kontinentale Klima – heiße Sommer, kalte Winter, trockene Herbste – stresst die Reben auf eine gute Weise. Wenig Ertrag, aber dafür konzentrierte Aromen. Qualität statt Quantität ist hier keine Philosophie, sondern ein Naturgesetz.
3. Der Bocksbeutel – missverstanden, unterschätzt, eigentlich ein Qualitätssiegel
Wer an fränkischen Wein denkt, denkt oft reflexartig an den Bocksbeutel. Und wer an den Bocksbeutel denkt, denkt oft an den Silvaner – und nicht immer mit Begeisterung. Die bauchige Flasche gilt in manchen Kreisen als altmodisch, uncool, irgendwie von gestern. Das ist ein Fehler.
Was viele nicht wissen: In den Bocksbeutel kommt nicht einfach jeder Wein. Das Deutsche Weingesetz ist hier eindeutig – nur Qualitäts- und Prädikatsweine aus Franken dürfen in diese Flaschenform abgefüllt werden. Und selbst das reicht nicht: Der Wein muss ein Mindest-Mostgewicht von 72 Grad Oechsle mitbringen – das liegt über dem normalen Qualitätswein-Standard – und bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung eine Mindestpunktzahl von 2,0 erreichen (Pflicht seit 2009).
Einfache Tafelweine, Landweine oder Weine unterhalb der Qualitätsschwelle? Kommen in die normale Flasche. Der Bocksbeutel bleibt den Besten vorbehalten.
Die Geschichte dahinter ist bemerkenswert: Bereits 1728 beschloss der Stadtrat von Würzburg, dass die edelsten Weine des städtischen Bürgerspitals in diese besondere Flasche gefüllt werden sollten – damals auch als Schutz gegen Weinfälschungen. Aus diesem Qualitätsversprechen ist eine der ältesten geschützten Flaschenformen der Welt geworden. Seit 1989 genießt der Bocksbeutel EU-weiten Markenschutz.
4. Wein braucht einen Ort
Wein aus dem Supermarkt und Wein im Weinberg – das ist kein Vergleich. Der Kontext, die Luft, die Geschichte, die Person, die ihn erklärt: All das ist Teil des Erlebnisses. Weinkultur passiert nicht in der Flasche, sondern zwischen Menschen.
Unser Fazit: Franken, wir kommen wieder
Dieser Tag hat uns gezeigt, was fränkische Weinkultur in ihrer reinsten Form bedeutet. Er begann mit Christian Enssner mitten in den Sommeracher Weinbergen – und endete im bei Familie Schäffer in Escherndorf. Zwei Erlebnisse, die perfekt zusammenpassen: der Mensch im Weinberg und der Wein im Weingut.
Die Kombination aus Weinerlebnistour durch die Rebzeilen mit einem leidenschaftlichen Gästeführer und der Begegnung mit einem Winzerbetrieb, der seit 500 Jahren denselben Boden bebaut – das ist kein Ausflug. Das ist eine Reise in das Herzstück einer Weinkultur, die Deutschland zu Unrecht zu wenig feiert.
Franken ist eine Destination für Weinneugierige. Für Menschen, die nicht nur trinken wollen, sondern verstehen möchten.
Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines VinoLoggia Erlebnisberichts. Alle Verkostungen und Eindrücke sind authentisch und persönlich erlebt.
Sommerach am Main, Franken | Weinregion Franken



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